Bildquelle: www.dfb.de

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Heute Abend kann die deutsche Fußballnationalmannschaft die WM-Teilnahme 2014 in Brasilien klarmachen. Dazu reicht „Jogis Jungs“ im vorletzten Qualifikationsspiel gegen Irland ein Unentschieden. Lösen die deutschen Kicker das WM-Ticket werden sie nicht nur im Stadion und vor den Fernsehbildschirmen gefeiert: Auch in sozialen Netzwerken stehen die Fußballer immer mehr im Fokus.

In meiner Bachelorarbeit, ja es gab eine Zeit vor F&H und dem Digital-Beat-Team, habe ich untersucht, wie deutsche Fußballnationalspieler soziale Netzwerke nutzen und wie die Fans und Follower auf die Beiträge der Kicker reagieren. Mein Untersuchungszeitraum war die Europameisterschaft 2012 in Polen und der Ukraine. Warum? Na, die EURO 2012 war das erste Turnier bei dem die DFB-Kicker sich via Facebook oder Twitter zu Wort melden durften. Meine Bachelorarbeit hat ergeben, dass die Nationalspieler hierbei in der Regel Facebook als Kommunikationskanal genutzt haben, Twitter spielte im Juni 2012 nur eine untergeordnete Rolle, andere Social-Media-Plattformen wurden seinerzeit gar nicht bedient.

Bei meiner Untersuchung kam ich zu dem Ergebnis, dass die Beiträge der Spieler häufig Banalitäten enthalten, „Privates“ wird nicht preisgegeben. Die Fußballer drücken sich in der Regel diplomatisch aus, benutzen immer wieder Floskeln. Nur selten werden die Fans und Follower interaktiv miteinbezogen. Es fällt auf, dass von den Nationalspielern im Social Web eine große Fan-Nähe suggeriert wird, diese aber eigentlich nicht vorhanden ist. Die virtuellen Anhänger haben zwar die Möglichkeit, die Einträge zu liken, zu kommentieren oder sie zu sharen – das war es aber auch schon an Teilhabe. Ich habe keinen Fall erlebt, in dem die Spieler gezielt auf Fragen in den Kommentaren ihrer Fans und Follower geantwortet haben.

Vielmehr nutzen die Nationalspieler ihre Social-Media-Plattformen zur Selbstvermarktung. Die Stars bringen ihren Namen und ihr Gesicht ein. Je beliebter der Fußballer im Social Web ist, desto beliebter ist er auch als Werbeträger. Softdrinkhersteller Pepsi hat Lukas Podolski aufgrund seiner Facebook-Fanzahlen im Frühjahr 2012 gar zum Gesicht seiner Markenkampagne gemacht. Der Werbeeinfluss ist deutlich zu erkennen. Insgesamt jeder sechste Beitrag, den ich untersucht habe, hat Werbung enthalten. Häufig war das für die Fans und Follower auch kein Problem. Werbung wird akzeptiert, wenn sie nicht zu plump gemacht ist. Wenn die kommerziellen Absichten aber zu offensichtlich sind, kann das für Verärgerung sorgen, wie der Fall von Manuel Neuer zeigt. Der Nationaltorhüter hatte während der EM gepostet, dass er gerade Bock auf Hamburger und Cola bei McDonalds habe. Das ging nach hinten los, die Fans hielten den Eintrag für unpassend – die virtuellen Anhänger erwarten von Ausnahmesportlern eine gesündere Ernährung.

Untersucht wurde auch, inwiefern PR-Agenturen die Postings und Tweets der Nationalspieler steuern. Leider blieben meine Anfragen größtenteils unbeantwortet oder wurden mit Verweis „auf die Flut an Interviewwünschen“ abgelehnt. Eine valide Aussage konnte ich nicht treffen: Ich gehe aber vom Guten aus und glaube, dass die Spieler hier und da auch ein Wörtchen mitreden dürfen. Immerhin: Mario Götze hat mir für meine Abschlussarbeit ein Interview gegeben und zugegeben, dass „ich hin und wieder selbst mit dem Smartphone aktiv bin, die Inhalte aber mit meiner Agentur abstimme.“ PR-Einfluss hin oder her: Fakt ist, dass alle Nationalspieler während der EM deutlich mehr Fans und Follower hinzugewonnen haben. Wer im Fokus der Öffentlichkeit steht, der bekommt auch in sozialen Netzwerken mehr Aufmerksamkeit. Alleine Torjäger Mario Gomez konnte während der EM mehr als 300.000 Facebook-Anhänger dazugewinnen. Neben dem „Fan-Werden“ gab die virtuelle Gemeinde weiteres Feedback: Die insgesamt 154 Facebook-Einträge, die die Nationalspieler während der EM online gestellt haben, wurden fast zwei Millionen Mal geliked. Außerdem haben die Anhänger über 100.000 Kommentare unter die Beiträge geschrieben und die Inhalte mehr als 60.000 Mal geteilt.

Heute Abend sind wir schlauer. Dann wissen wir, ob die DFB-Elf die WM-Qualifikation vorzeitig geschafft hat. Gelingt es, dann sollte es nicht nur im Stadion und vor dem Fernseher Beifall geben, sondern auch auf den zahlreichen öffentlichen Social-Media-Profilen der Nationalspieler.

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