Kindle_1_2d6e76db42Mein E-Reader begleitet mich nun schon über ein Jahr. Mit der Qualität und der Funktion des Kindle Paper White bin ich absolut zufrieden. Auch wenn ich mir sicher bin, dass andere Reader ihre Arbeit genauso gut machen, einen Überblick zu Testergebnissen bekommt man wie so oft auf CHIP online oder Textberichte.de. Zum überzeugten E-Book Nutzer hatte mich – nach anfänglichem Fremdeln – zum einen ein Umzug mit sehr vielen Bücherkisten gemacht. Zum anderen gefiel mir die ganz pragmatische Idee, dass es manche aktuelle Bücher gibt, die ich zwar gerne einmal lesen möchte, die mir allerdings nicht so wichtig sind, dass ich sie unbedingt in physischer Form besitzen oder gar ein zweites Mal lesen möchte.

Auch wenn ich den Geruch und die Haptik von neuen Büchern etwas vermisse: Sympathisch ist vor allem die unspektakuläre Schlichtheit des Readers. Jedes mobile Endgerät, das ich besitze, verfügt über unzählige Funktionen, die ungenutzt im Verborgenen schlummern. Aber mein digitales Buch kann nicht wesentlich mehr als es braucht: Das Lesen ist sehr angenehm für die Augen, egal ob drinnen oder draußen, der Akku hält eine gefühlte Ewigkeit und die Beleuchtung und Schriftgröße lassen sich einfach einstellen. Die Bedienung ist also völlig problemfrei und auch wenn ich somit wahrscheinlich für immer einen Pakt mit Amazon eingegangen bin, kann man problemfrei kostenlose E-Books und Dokumente auf den Kindle laden. Das ist neben der möglichen Anzeige von Wörterbucheinträgen im Text wohl die komplexeste Funktion, die dieses Gerät bietet: Einfach kostenlose Klassiker im endsprechenden Format bei einer Plattform wie Projekt Gutenberg runterladen und per Mail an den Kindle schicken. In dieser Datenbank befinden sich bereits 42.000 kostenlose Bücher zum Download in unterschiedlichen Sprachen, hauptsächlich handelt es sich um Originaldokumente und Klassiker bei denen die Lizenzrechte abgelaufen sind.

Wenn ich nun meinen ursprünglichen Gedanken wieder aufgreife, nämlich, dass ich auf dem E-Reader eher Bücher lesen würde, die ich nicht zwingend besitzen muss: Was bedeutet das für das Leseverhalten der übrigen E-Leserschaft? Laut einer BITKOM-Studie sind die wichtigsten Gründe einen E-Reader zu nutzen:

  • Wegen der großen Zahl von E-Books, die immer griffbereit sind: 54%
  • Weil ich mir neuen Lesestoff einfach und schnell beziehen kann: 53%
  • Wegen des geringen Gewichtes im Vergleich zu gedruckten Büchern: 42%
  • Wegen Funktionen wie Übersetzen, Notizen oder Markierungen: 41%
  • Wegen der großen Anzahl von kostenlos verfügbaren E-Books: 23%
  • Weil E-Books modern und trendig sind: 11%

Nachdem ich die Amazon E-Book Topseller studiert habe, drängt sich ein weiterer Grund auf: Anonym und ungesehen dem Genuss der sogenannten Trivialliteratur frönen. Es spricht nichts gegen gute Unterhaltungsliteratur, aber wer möchte mit den Covern dieser Titel aus den Top 10 der meistverkauften E-Books im Kindle-Shop in der U-Bahn gesehen werden: „Kein Mann für die Ersatzbank“, „Herren der Liebe – Wahrhaft: Erotischer Roman (Teil 3)“, „Fire&Ice 3 – Shane Carter“?

Laut BITKOM wird der Großteil der digitalen Bücher allerdings bei anderen Onlinestores gekauft. Es lohnt also ein Blick zur Konkurrenz: Bei ebook.de wird die Beststellerliste angeführt von: „Hartz IV Moebel.com“, „Shades of Grey 01. Geheimes Verlangen“, „Shades of Grey 03. Befreite Lust“, „Shades of Grey 02. Gefährliche Liebe“. Bei kobobooks.com und ciando.com nähert sich das Ergebnis stärker an die Spiegel Bestseller Liste an.

In vielen Situationen hat ein E-Reader also seine Vorteile: Man muss in der U-Bahn nicht mit Lesezeichen hantieren und zerknittert keine Lieblingsbücher in der Tasche. Ein weiterer Punkt scheint das ungestörte Lesen von Schund in der Öffentlichkeit zu sein. Lesen bekommt so eine ganz neue Privatsphäre: Bücher, die nicht repräsentabel genug sind für die Wohnzimmerbücherwand müssen ihr Dasein nun nicht mehr in Umzugskartons und Nachttischschubladen fristen. Und so mancher kann seine Neugier stillen und in den wirklichen Klassiker der Weltliteratur schmökern. Denn neben den Abenteuern des Huckleberry Finn findet sich mit 17.107 Downloads auch das Kama Sutra unter den Top 15 bei Projekt Gutenberg.

Update: Laut aktuellen Studienergebnissen des Hightech-Verbands BITKOM lesen nur 25 Prozent ihre E-Books auf dem E-Reader. Spitzenreiter ist hier das Smartphone mit 60 Prozent, dicht gefolgt von dem Laptop mit 57 Prozent.

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